Quelle: Transfair Jahresbericht 2011/2012
Im vergangenen Jahr haben Verbraucher in Deutschland Fairtrade-Produkte im Wert von 400,544 Mio. Euro gekauft. Das ist ein Plus von 18% gegenüber dem Vorjahr. Dies geht aus dem Jahresbericht des deutschen Trägervereins Transfair, Köln, hervor. „Fairtrade wächst bereits im achten Jahr in Folge im zweistelligen Bereich“, erklärt dazu Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath. Die wichtigsten Wachstumstreiber sind weiterhin Kaffee (238,7 Mio. Euro Umsatz), Blumen (29,7 Mio. Euro Umsatz), Bananen (21,4 Mio. Euro Umsatz) und Schokolade (23,7 Mio. Euro). Die Warengruppe Wein entwickelte sich gegenüber dem (starken) Vorjahr rückläufig: Nach 1,105 Mio. l Fairtrade-Wein im Jahr 2010 wurden 2011 nur noch 863.000 l abgesetzt (-22%). Ein Hinweis auf die Entwicklung liegt in der Herkunftsstruktur: 91% der in Deutschland verkauften Fairtrade-Weine stammen aus Südafrika, 6% aus Chile und 3% aus Argentinien. Nach Auskunft von Mariska Przyklenk, Produktmanagerin Wein & Spirituosen bei Transfair, sei entgegen dem ersten Anschein keine Auslistung zu verzeichnen. „Alle Partner sind weiter mit an Bord.“ Im größeren Maßstab engagieren sich im Lebensmittelhandel bislang Penny und Lidl sowie Netto und Norma mit Fairtrade-Weinaktionen. Im Fachhandel haben vor allem die Jacques’ Wein-Depots Fairtrade-Weine verkauft. Zertifizierte Partner im Weinbereich sind Binderer St. Ursula, Fair Wein, Gepa, Global Wines, Home of Origin Wine, Mack & Schühle, Peter Mertes, Peter Riegel, Tophi, ZGM und die Wein- und Sektkellerei Ostrau.
Demnach hänge der Rückgang wohl mit der Fußball-WM in Südafrika zusammen. Der im WM-Jahr 2010 erreichte (aktionsgetriebene) Rekordwert sei im Jahr drauf einfach nicht wieder erreicht worden.
Im nächsten Jahr hingegen dürfte es durch den 2012 wirksam gewordenen Wechsel des vormaligen Fairtrade-Partners Stellar Organics/Peter Riegel Weinimport zum Schweizer Zertifizierer IMO und dem „Fair for Life“-Siegel etwas Bewegung geben „2012 wird auch bei uns spannend, da wir einige neue Player an Bord haben: Die Fachhandelskette Vom Fass mit den Weinen von Detleefs Estate (neu zertifziert) sowie Schenk mit Vinedos Emiliana, von denen einige Wein gerade auf Fairtrade umgestellt werden. Auch Bodega Norton ist gerade frisch zertifiziert worden, so dass einige neue Überseeplayer dazu kommen“, erklärt Przyklenk. Nach ihren Aussagen kommt außerdem zum Tragen, dass jetzt mehr regionale Distributeure mit guten Kontakten zur Gastronomie Fairtrade-Weine anbieten können. Przyklenk hofft, 2012 „mindestens das Niveau des Vorjahres“ halten zu können.
Der Bioanteil bei Fairtrade-Weinen beträgt den Angaben von Transfair zufolge 32%. Der Gastro-Anteil, der beim Kaffee 30% erreicht, liegt bei Wein übrigens bei 0%. Auch das ist ein Thema, das Transfair durch die Neueinstellung eines Ansprechpartners für den Außer-Haus-Bereich in diesem Jahr ändern will. In der Außer-Haus-Broschüre des Vereins sind Weine aufgelistet.
Allein durch den Verkauf von Produkten mit dem Fairtrade-Siegel erwirtschafteten die Produzenten Direkteinnahmen in Höhe von 82 Mio. Euro. Darin sind nach Angaben des Vereins rund 5,5 Mio. Euro Fairtrade-Prämiengelder für Gemeinschaftsprojekte enthalten. Die Produktpalette wächst: 2011 kamen 172 neue faire Produkte auf den Markt. 29 Partner konnten dazu gewonnen werden. Das Gesamtangebot ist groß: Rund 1.200 Artikel aus 15 Sortimentskategorien sind heute in der Produktdatenbank von Transfair e.V. zu finden. Das Angebot ist aber größer als der Datenbestand, rund 200 Lizenznehmer bieten fast 2.000 Produkte an.
Mit der folgenden interaktiven Tabelle, die auf Angaben aus dem Jahresbericht von Transfair beruht, kann sich jeder Leser rasch ein eigenes Bild von der relativen Bedeutung der Warengruppe Wein im deutschen Fairtrade-Umfeld machen. Beim Umsatz ist Wein zum Beispiel auf Platz 13 der Warengruppen, beim Bio-Anteil auf Platz 10. Eine kleine Bestandsaufnahme der Fairtrade-Aktivitäten hat auch Michael Pleitgen auf seinem Blog anlässlich der International Fairtrade Conference aufbereitet.
Transfair gehört zum internationalen Verbund Fairtrade International. Der Verein Transfair, Köln, bezieht seine Einnahmen überwiegend aus Lizenzgebühren. 2011 betrugen die Lizenzgebühren 3,64 Mio. Euro (+14,3%). In der Transfair-Geschäftsstelle arbeiten 32 Personen (28 Vollzeitstellen).


