Michel Rolland - Wein. Mein Leben

Michel Rolland, der immer wieder als Star-Önologe bezeichnete französische Weinmacher, hat sein Leben aufgeschrieben – einer der Gründe dafür war, wie er selbst sagt, das Bedürfnis, einiges richtig zu stellen: „Über mich wurden so viele Dinge gesagt. Viele Gerüchte und wenige Wahrheiten. Viel Polemik und wenig Anständiges, das Wesentliche wurde meist unterschlagen.“ Doch was ist nun das Wesentliche im Leben des Michel Rolland, der viel Lob und Bewunderung, aber auch viel Kritik, Ablehnung und Neid auf sich zieht? Rolland will weder von der einen noch von der anderen Seite vereinnahmt werden, sondern ein differenziertes Bild von sich selbst zeichnen. Dieses differenzierte Bild zeigt er in dem vorliegenden, im April 2014 auf Deutsch erschienenen Buch.
Rolland schildert seine Herkunft und seine Kindheit, Schule und Studium, berichtet ausführlich von seinen kleinen Anfängen bis zu den Höhenflügen seiner einzigartigen Karriere. Geboren wurde er 1947 in Libourne als Sohn eines Winzers, nach der Schule studierte er Önologie und führte ein Weinlabor. Rolland erkannte damals, wie groß der Informations- und Beratungsbedarf der Winzer im Bordelais war, und ergriff seine Chance. Heutzutage ist er einer der begehrtesten Weinberater der Welt und betreut rund 100 Weingüter in 13 Ländern, Spezialgebiet Vinifizierung im Bordeaux-Stil.
Er erweist den Menschen, die ihm gute Lehrmeister waren oder in anderer Hinsicht für ihn von besonderer Bedeutung waren, seine Reverenz - gegen Kritiker, die ihn beleidigt oder ungerecht behandelt haben, zieht er zu Felde. „Die Kritiker urteilen, die Verbraucher entscheiden. Ich habe ihnen nie einen Revolver an die Schläfe gehalten, um sie zu zwingen, meine Weine zu mögen“, schreibt er. Neben dieser Aufarbeitung der freundlich und feindlich gesinnten Lager beschreibt Rolland die das alltägliche Leben im Bordelais, das Beziehungsgeflecht zwischen Erzeugern, Händlern, Dienstleistern, Besitzern, Angestellten, Arbeitern, Verwaltung und Politik, gespickt mit vielen bekannten namen der Branche und zum Teil köstlichen Anekdoten. Dazu nimmt Rolland die Leser mit auf seine Reisen um die Welt und beschert ihnen einen Einblick in seine Arbeitsweisen auf den unterschiedlichen Kontinenten mit unterschiedlichen Partnern, Weintraditionen und Gegebenheiten vor Ort.
Vielleicht ist das Wesentliche im Leben des Michel Rolland, in der Welt des Weins der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein – immer bereit, Neues zu lernen, flexibel zu sein und eine Lösung zu finden. Rolland plädiert dafür, Wein von ideologischen Vereinnahmungen freizuhalten und ihm selbst und seiner Arbeit nicht mit Klischees und Schablonendenken zu begegnen. Er möchte nur in Ruhe seine Arbeit machen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Titel des Buchs „Wein. Mein Leben“ ist tatsächlich programmatisch, denn es geht um den Wein-Menschen Rolland, der private Michel Rolland bleibt unsichtbar.
 
Michel Rolland, Wein. Mein Leben, Verlag Tre Torri, ISBN 978-3-944628-22-6, 29,90 Euro
 
Bezug über www.landmedia.de
 


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