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26. März 2020

Auch Wein- und Spirituosenhersteller liefern Alkohol für Desinfektionsmittel

Angesichts der sich weiter ausbreitenden Corona-Pandemie steigt der Bedarf an Desinfektionsmitteln. Oft sind sie gerade dort Mangelware, wo sie dringend gebraucht werden. Inzwischen folgen auch deutsche Firmen den internationalen Positivbeispielen und spenden unbürokratisch lokalen Initiativen den benötigten Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln. Oder sie produzieren das Mittel gleich selbst. Vorreiter dieser Entwicklung waren in Deutschland BASF (Ludwigshafen) und Beiersdorf (Hamburg), bei denen das entsprechende Produktions-Knowhow vorhanden ist.
Die BASF, die dafür bereits vergangene Woche eine Ausnahmegenehmigung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums erhalten hatte, beliefert damit Krankenhäuser in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen.
Das in Wolfenbüttel bei Braunschweig gestartete Traditionsunternehmen Jägermeister hat der Apotheke des Klinikums Braunschweig aus seinen Lagerbeständen Alkohol zur Verfügung stellt. Die städtische Feuerwehr soll beim Transport der 50.000 l helfen. „Wir haben verstanden, dass es an der Stelle offensichtlich einen hohen Bedarf gibt", zitiert die FAZ den Jägermeister-Mehrheitseigentümer Florian Rehm.
Henkell Freixenet spendet rund 50.000 l hochprozentigen Alkohol für die Produktion von Desinfektionsmitteln. Der Alkohol stammt aus der Entalkoholisierung von Wein für die Herstellung von alkoholfreiem Sekt und aus der Spirituosenherstellung. „Im engen Austausch mit der Stadt Wiesbaden haben wir die Idee entwickelt, den aus der Entalkoholisierung resultierenden Alkohol an Wiesbadener Krankenhäuser und Gesundheitsabnehmer zu spenden“, so Jan Rock, Kommunikationschef von Henkell Freixenet in Wiesbaden. Gemeinsam mit Bürgermeister Oliver Franz habe das Unternehmen mit Infraserv Wiesbaden sowie der im Wiesbadener Industriepark Kalle-Albert angesiedelten Gesellschaft des Wissenschafts- und Technologieunternehmens Merck (Darmstadt) Partner für die Herstellung des Desinfektionsmittels an Bord holen können. Einen weiteren Teil der Produktion übernimmt der Wiesbadener Apothekenverbund AUMEAS.
Die Alde Gott Winzergenossenschaft stellt laut einem Bericht der Badischen Neuesten Nachrichten in Kooperation mit der Sasbacher Lender-Apotheke und dem Inhaber Michael Becker Desinfektionsmittel her. Mit dieser Unterstützung kann Becker etwa 1.500 Flaschen am Tag produzieren.
Die zur Brauereigruppe AB Inbev gehörende Beck’s Brauerei (Bremen) stellt den bei der Entalkoholisierung ihrer alkoholfreien Marken entstandenen Alkohol ebenfalls zur Verfügung. Das 84-prozentige Ethanol geht an die Hersteller KWST GmbH und Jodima, die daraus Desinfektionsmittel für Krankenhäuser in ganz Europa machen. Es geht dabei um 500.000 l (im Wert von etwa 1,5 Mio. Euro).
MBG (Paderborn) hat sich ebenfalls entschlossen, Teile der Alkoholproduktion umzustellen, um Desinfektionsmittel herzustellen. „An unserer Seite war bei der Produktentwicklung das Mediziner-Ehepaar Dr. Grimm Wiegand aus Paderborn. Altersheime und Pflegeeinrichtungen sowie öffentliche Stellen in Paderborn erhalten 10.000 l als Hilfe von uns“, erklärte eine Unternehmenssprecherin.
Pernod Ricard hat in einem ersten Schritt 70.000 l reinen Alkohols zur Herstellung von Desinfektion gespendet.
Der Luxusgüterkonzern LVMH hat seine Supply Chain genutzt, um 7 Mio. Operationssaal-taugliche Atemschutzmasken und 3 Mio. FFP2-Masken zu organisieren und wird in den nächsten vier Wochen etwa 40 Mio. Masken beschaffen. CEO Bernard Arnault hat die Konzernsparte Parfums & Kosmetik zudem am 23. März 2020 angewiesen, in den Produktionsstätten Handdesinfektionsmittel zu produzieren und kostenlos den französischen Gesundheitsbehörden zur Verfügung zu stellen.
Distell, nach eigener Darstellung Afrikas führender Hersteller und Vermarkter von Spirituosen und Weinen, hat am 26. März bekanntgegeben, mit der Herstellung von Handdesinfektionsmitteln und anderen Hygieneprdukten in seinen Produktionsstätten zu beginnen. Das Unternehmen hat dabei 100.000 l Alkohol zugesagt. Die Produkte sollen dann kostenlos an gefährdete Gemeinden in ganz Südafrika verteilt werden.
Die Brennerei Reisetbauer, im oberösterreichischen Axberg in der Nähe von Linz beheimatet, produziert seit einigen Tagen Alkohol (aus Weizen), um damit Apotheken in der Umgebung bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln zu unterstützen.
Nach Medienangaben haben auch Diageo (Großbritannien) und Absolut Vodka (Schweden) konkrete Hilfe angeboten. -ja-