08. Oktober 2026
Früh, kurz, schnell und gut
Die rheinhessische Weinproduktion dürfte sich 2026 etwa 5 bis 10% unter dem langjährigen Mittel von 2,5 Mio. hl bewegen. Zu dieser Einschätzung kommt der Weinbauverband Rheinhessen, die er anlässlich einer Presseveranstaltung in Oppenheim kommunizierte. Durch stark schwankende Erträge sei die Mengenschätzung in diesem Jahr besonders schwierig, hieß es dabei. Das lag in erster Linie an der trocken-heißen Witterung des Sommers. So kam es insbesondere auf leichten Böden zu deutlichen Ertragseinbußen infolge der Hitze. Der Verband fasste den Herbst als „früh und kurz, schnell und gut“ zusammen. „Wir nähern uns dem mediterranen Klima immer näher an – mit den damit verbundenen Problemen“, sagte Weinbaupräsident Jens Göhring. Dazu zählt ein historisch früher Lesebeginn, anhaltende Trockenheit, höhere Energiekosten durch stärkeres Herabkühlen, Arbeitsbeginn in den frühen Morgenstunden bzw. bei Nacht und weitere Faktoren. Witterungsbedingt gab es so gut wie keine Pilzinfektionen. Vertreter aus Weinbau und Önologie lobten daher einstimmig die zu erwartenden Qualitäten. Anders als bei anderen Hitze-Jahrgängen, so zum Beispiel 2003, hätten die Winzer die Mostgewichte „unter Kontrolle“ gehabt, sodass sich die Alkoholwerte auf einem gewöhnlichen Niveau bewegen und die Säurewerte nicht – wie zunächst erwartet – stark absackten.
Auf der Veranstaltung gab es auch einen Einblick in die Situation auf den Exportmärkten. Laut der Zwölfmonatsbilanz von Juli 2025 bis Juni 2026 nahmen die Exporte beim Wert um 1,7% zu, nach Menge aber um 3,2% ab. Die Entwicklung bezieht sich auf ganz Deutschland, nicht auf Rheinhessen. Jedoch habe das größte Anbaugebiet des Landes traditionell einen großen Anteil daran, erläuterte Peter Rotthaus, Ressortleiter Weinkellereien beim Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen. Positive Signale gehen von den nordischen Ländern und vom polnischen Markt aus, der es inzwischen auf Platz 3 der wichtigsten Exportziele bringe. Eine Entspannung der wirtschaftlichen Lage oder eine Trendumkehr zeigen die Entwicklungen jedoch nicht. Darüber hinaus äußerte die Gebietsweinwerbung Rheinhessenwein e.V. die Vision für die zukünftige Ausrichtung des Anbaugebiets: „Rheinhessen ist die führende Weinregion Deutschlands“, sagte Martin Fischborn, stellvertretender Vorsitzender von Rheinhessenwein e.V. und Vizepräsident des Weinbauverbands. Das beziehe sich vor allem auf gut aufgestellte Wertschöpfungsketten im Anbaugebiet, die alle Segmente des Markts beliefern können. Dazu gehört auch ein neuer Zugang zu neuen Zielgruppen, die man mithilfe von touristischen Angeboten und Veranstaltungen erschließen möchte – etwa durch das am 23. Und 24. Oktober 2026 erstmals stattfindende Format „wine2togehter“ (s. faxline 40/2026). -swe-