28. Januar 2026

Impressionen zur Millésime Bio 2026

 
 
 
Interview: Jeanne Fabre 
 
W+M: Im vergangenen Jahr hatte es Andeutungen gegeben, dass die Winzervereinigung SudvinBio Änderungen an der Messe vornehmen möchte: Wie läuft dieser Veränderungsprozess? Wie war die Resonanz bisher?
 
Jeanne Fabre: Wir sind sehr zufrieden. es ist so wichtig, genau auf die die tatsächlichen Bedürfnisse und Wünsche zu achten. Es ist ja der Sinn einer Weinmesse, Geschäfte zu machen. Immer mehr Besucher, Importeure,Weingeschäfte unabhängig von ihrer Größe und ihrem Profil, wollen eher eine geografische Logik auf der Messe sehen, damit sie nicht so viel Zeit damit verlieren, diejenigen zu finden, deren Weine sie probieren möchten. So sparen sie Zeit und haben tatsächlich eine effizientere
 
W+M: Was eine Abweichung von einem Alleinstellungsmerkmal ist…
 
Jeanne Fabre: Nun, es war ein ziemlich großer Schritt, denn es betrifft die DNA der Weinmesse, diese wirklich ausgefallene Verstreuung zu haben, bei der alle irgendwie miteinander verschmolzen sind.Aber angesichts der großen Schwierigkeiten, mit denen der gesamte Weinmarkt zu kämpfen hat, können wir es uns nicht leisten, gegen den Markt zu entscheiden. Wir hören auf die Bedürfnisse des Marktes. Die Fachbesucher sind nach bisherigem Feedback zufrieden. Sie haben weniger Arbeit. Sie können sich besser vorbereiten.
 
W+M: Ganz umgesetzt scheint der Übergang zu einer geografischen Sortierung noch nicht…
 
Jeanne Fabre: Im Moment ist es eine Mischung. Es ist wie ein Halbfinale. Das heißt, wir haben einen großen Schritt gemacht, denn tatsächlich gibt es Gruppen. Man trifft in derselben Halle die spanischen Produzenten, Burgund und vielleicht Champagne. Denn wir wollen ja auch weiterhin diesen intensiven Austausch zwischen unterschiedlichen Regionen anregen. Das sorgt auch dafür, dass die Leute vielleicht Dinge entdecken, die sie nicht erwartet haben. Aber innerhalb einer Region sind alle zusammen in einer Halle. Das ist die Idee.
 
W+M: Welche anderen Maßnahmen haben bereits gegriffen?
 
Jeanne Fabre
© SudvinBio
Jeanne Fabre: Diese Weinmesse ist die einzige dieser Größe, die von Winzern direkt organisiert wird. Es ist eigentlich eine ehrenamtliche Tätigkeit. Wir möchten wirklich, dass alle Aussteller den besten Service erhalten, weil wir wissen, dass sie einige Tgae weit von ihren Weinbergen entfernt sind. Wir sind wir froh, eine der wenigen Weinmessen dieser Größe zu sein, die All-inclusive-Stände anbietet. Der Preis ist angemessen, der gilt auch alle Leistungen. Dieses Jahr haben wir dabei neue Dienstleistungen hinzugefügt. Zum Beispiel gibt es abends eine kleine Party. Die Idee dahinter ist, dass alle Aussteller, die Montpellier nicht so gut kennen oder noch kein Netzwerk und keine Kontakte haben, nach der Messe mit ihren Kunden weiterfeiern können. Das ist ja das Schöne am Wein. Es ist ein ernstes Geschäft, aber immer mit einem Lächeln. Ein weiterer Service ist die erweiterte Oenoteque, die sich ausschließlich der Weinverkostung widmet. Das ist sehr effizient für potenzielle Einkäufer, denn sie wollen keine Zeit mit zu vielen Gesprächen verlieren. Sie können sich nach der Verkostung entscheiden, mit wem sie sprechen möchten. Wer biodynamische Weine will, der geht zu dem um die Demeter- oder Biodivin-Labels gruppierten Stände.
 
W+M: Dennoch ist das Stichwort Wine Paris auf der Messe oft gefallen. Es gab Gerüchte, dass Sie versucht haben sollen, miteinander über eine Art Zusammenarbeit zu sprechen?
 
Jeanne Fabre: Das ist interessant, weil wir völlig unterschiedliche Logiken haben. Der Organisator in Paris ist ein großes Veranstaltungsunternehmen. Die wollen mit Messen Geld verdienen. Unser Geschäft ist die Herstellung von Wein. Den wollen wir verkaufen. Der Fokus liegt also nicht darauf, mit der Messe Geld zu verdienen. Es geht uns darum, den Winzern ein effizientes Instrument an die Hand zu geben. Selbst wenn sie mit uns sprechen wollten, sprächen wir nicht dieselbe Sprache. Es gab nie einen solchen Kontakt. Sie verstehen einfach nicht, was wir tun. Sie denken daran, immer größer und größer zu werden. Wenn man zu groß ist, wird es zu einer großen Maschine. Es ist wirklich notwendig, die Größe zu respektieren, um die Atmosphäre zu bewahren. Ich übertreibe vielleicht etwas, aber: Sie müssen bei uns nicht bezahlen, um auf die Toilette zu gehen.
 
W+M: Apropos Weinrealität: In einigen Ländern sind die Verkäufe von Bio-Weinen etwas zurückgegangen. Früher gab es eine Art garantierten Preisaufschlag gegenüber konventionellen Weinen. Wie würden Sie die Situation in diesem Jahr beschreiben?
 
Jeanne Fabre: Ich denke, dass sich die Lage ziemlich stark verändert hat. Lange Zeit gab es nicht genug Bio-Weinproduktion, um den gesamten Bedarf zu decken. Deshalb waren die Preise höher. Aber allein in Frankreich hat sich die Produktion von Bio-Wein in fünf Jahren verdoppelt. Aktuell scheint es, als würde der Markt nicht so schnell wachsen wie die Produktionserweiterung. Vielleicht können sie einen wirklich erschwinglichen Bio-Wein erfinden, der für den Produzenten immer noch nachhaltig ist, aber nicht so elitär. Wir arbeiten viel mit Verbänden zusammen, weil wir festgestellt haben, dass sich der Vertrieb von Bio-Wein deutlich vom üblichen Weinvertrieb unterscheidet. Viel mehr Direktverkäufe, dazu einen ziemlich starken Anstieg der Exporte, insbesondere in die Monopolländer wie Skandinavien und Kanada. Wir haben auch einen großen Mangel an Präsenz in großen Einzelhandelsketten. Das sind mit die größten Weinverkäufer sind, und wir sind nur mit 8 % Biowein-Anteil vertreten.
 
W+M: Wir sehen bei einigen deutschen Produzenten und Händlern, dass Mehrweg im deutschen Einzelhandel im Bio-Bereich funmktionieren kann. Sehen Sie auch in Frankreich einen wachsenden Markt dafür?
 
Jeanne Fabre: Wir wünschen uns, dass es so effizient wie in Deutschland funktioniert. Die größte Schwierigkeit ist die Logistik, weil die Leute keine Zeit damit verbringen wollen, eine Flasche zurückzubringen. Wir sollten also viele Sammelstellen haben. Die gab es in Frankreich, bevor ich geboren wurde. Jetzt ist es wirklich schwierig, sie wieder aufzubauen. Die Regierung sollte etwas unternehmen, vielleicht mit Anreizen oder massiver Kommunikation. Akteure wie der Verein France Consigne, mit dem wir gestern eine Partnerschaft unterzeichnet haben, haben regionale Gesellschaften, die das unterstützen. Sie sind wirklich effizient und leidenschaftlich. Aber meistens sind es die Bio-Weinproduzenten, die die zusätzlichen Kosten tragen, weil die Mehrweg-Flaschen etwas schwerer und stabiler sind – und deshalb etwas teurer. Es ist, als ob alles auf den Produzenten zurückfällt.
 
W+M: Wie ist die Lage der Bio-Weine in Frankreich in der Gastronomie?
 
Jeanne Fabre: Ich fürchte, das haben wir gemeinsam. Gott sei Dank haben wir großartige Botschafter, aber es hängt eher mit ihrer Persönlichkeit, ihrem persönlichen Engagement und Charisma zusammen. Xavier Thuizat, ausgeziechnete als Best Sommelier of France 2022 ist der Präsident des Biowein-Preises der Millesime Bio. Er hat Meisterkurse gegeben, und er ist typisch für die neue Generation in der Elite der Gastronomie. Traditionell sind Restaurants in der Regel schlecht über Wein informiert, sogar in Frankreich. Wir müssen unseren Teil der Verantwortung übernehmen, wir erklären es ihnen gut genug. Für uns scheint es vielleicht offensichtlich, aber es gibt so viele Herkunftsbezeichnungen und so viele Arten, Wein herzustellen, und was genau ist der Unterschied zwischen Bio-Wein und all den anderen Labels?