08. August 2026
Knowhow: Was ist eigentlich... Smoke Taint?
Zunehmende Hitze und Trockenheit können der Rebe schaden, etwa über Sonnenbrand oder Trockenstress. In Australien oder Kalifornien beispielsweise sorgen die zunehmend extremeren klimatischen Bedingungen für
Buschbrände, die den Trauben ebenfalls zusetzen können – auch ohne dass das Feuer die Pflanze direkt trifft.
Verheerende Buschbrände zerstörten
vor allem in den Jahren 2018 und
2020 großflächig Weinberge im berühmten Weinanbaugebiet Napa
Valley in Kalifornien. In Australien wüteten
Anfang dieses Jahres Brände und verwüsteten eine Reihe von Rebflächen sowie ganze
Weingüter. Auch in Südeuropa brannte es
diesen Sommer mehrfach. Dabei
hatte das Feuer aber nicht nur aufgrund seiner zerstörerischen Kraft
direkte Auswirkungen auf die Reben, sondern sorgte durch die Rauchentwicklung für einen sogenannten Smoke Taint (dt. Rauchgeschmack) in den Beeren bzw. dem
späteren Wein der umliegenden
Parzellen. Der so entstandene
rauchige, verbrannte, medizinisch
oder aschig wirkende Geschmack
überdeckt positive Aromen im
Wein und führt dazu, dass die
Mehrheit der Verbraucher solche
Produkte ablehnen.
Ursache für Smoke Taint in Trauben sind freie flüchtige Phenole, die
entstehen, wenn der Holzbestandteil Lignin
abbrennt. Reben nehmen diese Phenole über
die Beerenhaut oder Blätter auf – wobei sie
nicht von den Blättern ins Beereninnere wandern können. In der Beere verbinden sie sich
mit Zuckermolekülen, diese Verbindungen
weisen kein rauchiges Aroma auf. Erst wenn
die Zuckerverbindungen während der späteren Gärung, aber auch bei der Reifung im Fass
oder auf der Flasche aufbrechen, werden die
Phenole wieder flüchtig. Dann nimmt man
das rauchige Aroma im Wein wahr. Auch Stoffe im Speichel können die Verbindungen auftrennen, sodass man den Smoke Taint beim
Verkosten bemerkt.
Die Aufnahme der Rauchpartikel durch die Rebe ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum einen hängt sie mit dem Entwicklungsstadium der Rebe zusammen: Vor und während der Blüte besteht kein Risiko, ab der Véraison bis zur Lese ist es jedoch hoch. Dazwischen kann es ebenfalls zu einer Aufnahme kommen. Zum anderen spielt die Rebsorte eine Rolle, denn je nach Dicke der Beerenhaut kann die Menge an aufgenommenen Phenolen variieren. So lagen bei einer Untersuchung die Werte beim „dünnhäutigen“ Spätburgunder deutlich höher als bei Sorten mit dickerer Schale. Zudem sind die Dichte und Zusammensetzung des Rauchs weitere Faktoren. Das Australian Wine Research Institute (AWRI) befasst sich seit über 20 Jahren mit diesem Weinfehler und hat seitdem in zahlreichen Publikationen neueste Erkenntnisse und Empfehlungen veröffentlicht. So stehen Winzerinnen und Winzer Maßnahmen und Tipps zur Verfügung, auf die sie bei von Smoke Taint belastetem Lesegut zurückgreifen können. Ein Schutz der Trauben im Vorfeld, wie beim Sonnenbrand mittels Ausbringens bestimmter Mittel, gibt es leider nach wie vor nicht. So können Weingüter vorbeugend nur Maßnahmen treffen, die allgemein die Gefahr von Buschbränden minimieren.
Ein weiteres Problem stellt das in Australien verbreitete Stoppelbrennen dar – das absichtliche
Verbrennen von landwirtschaftlichen Abfällen nach der Ernte von Getreide wie Weizen
Foto: Sonthana/stock.adobe.com
und Reis. Auch dies kann dazu führen, dass
der spätere Wein aus umliegenden Rebflächen
einen Rauchgeschmack aufweist. Das AWRI
empfiehlt in diesem Fall mit den Landwirtinnen und Landwirten zu sprechen, sodass diese die Ernterückstände erst nach der Weinlese auf ihren Feldern abbrennen.
Ein Buschfeuer in der Nähe der Parzelle
muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die
späteren Weine von Smoke Taint betroffen sind. Das Problem: Wie bereits
beschrieben, werden die Phenole erst
im späteren Wein wieder flüchtig und
damit wahrnehmbar, sodass nur eine
Analyse der Trauben im Labor frühzeitig Gewissheit bringt. Das AWRI empfiehlt Winzerinnen und Winzern daher, rund drei Wochen vor der Lese
Traubenproben ins Labor zu schicken.
Das Fachpersonal untersucht sie auf
die typischen Rauchmarker wie Guajakol, Syringol oder Kresol sowie daraus entstandene Zuckerverbindungen.
Liegen tatsächlich hohe Gehalte vor,
verzichten viele Weingüter auf eine
Lese. Es gibt zwar kellertechnische
Möglichkeiten, diese können den
Weinfehler aber nur minimieren und nicht
eliminieren. Eine Übertragung des Smoke
Taint im Weinberg auf die Trauben im nächsten Jahr konnten die australischen Forscher
zudem bereits ausschließen.
Entscheidet sich die Winzerin oder der
Winzer dafür, die betroffenen Trauben trotzdem zu verwenden, stehen ihr bzw. ihm eine
Reihe an Maßnahmen zur Verfügung, um den
Rauchgeschmack so gering wie möglich zu
halten. Dabei geht es hauptsächlich darum,
die Extraktion in den Most so gering wie möglich sowie die Beerenschale lange intakt zu
halten, etwa indem man das Lesegut kühlt
(verlangsamt Reaktionen in der Traube) oder
auf Handlese und Ganztraubenpressung setzt.
Kohle oder Eichenholzchips sowie eine Umkehrosmose oder Nanofiltration können das
Raucharoma ebenfalls minimieren, genauso
wie ein Verschnitt mit fehlerfreien Partien.
ISABELL BLASS
Bei nahegelegenen Bränden können Rauchpartikel in die Rebe übergehen und im späteren Wein rauchige, verbrannt schmeckende Aromen freisetzen.
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