17.06.2011

Zahl des Monats Juni 2011: 1000

Ist das 1000 Euro wert? (Screenshot)

Die Vinexpo stellt im Vorfeld der Messe jeweils auch Ergebnisse ihrer "Studien" vor, die weltweiten Markt beleuchten. Ausweislich der Webseite kann der interessierte Leser diese Studie, die in Zusammenhang mit der "International Wine and Spirit Research" (IWSR) erstellt wurde, bestellen: 1000 Euro kostet das.  Eine Vorabinformation für die Presse findet man u.a.  hier:
 
 
WEIN+MARKT meint dazu: IWSR-Studie - Die Tücken der Statistik
Trendprognosen sind immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für Studien – erst recht, wenn die darin verwendeten Zahlen mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten. Die von der Vinexpo in Auftrag gegebene IWSR-Untersuchung enthält jedenfalls einige Ungereimtheiten – zumindest was den deutschen Markt angeht.
 
 
Hier eine kleine Auswahl:
+ Laut Studie ist der Schaumweinkonsum in Deutschland zwischen 2005 und 2009 von rund 354,7 Mio. auf 368,4 Mio. l gestiegen, was einem Plus von 3,85% entspricht.
 
Der Verband Deutscher Sektkellereien (VDS) beziffert den deutschen Sektmarkt 2009 allerdings nur auf rund 317,6 Mio. l. Das sind über 50 Mio. l oder fast 14% weniger. Außerdem weist der VDS von 2005 auf 2009 nur ein Wachstum von 1,8% aus. Dabei erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch laut VDS mit 3,8 l dasselbe Niveau wie im Jahr 2002, war aber weit entfernt von den Werten in den Jahren 1993 und 1994 (über 5,1 l).
 
+ Laut Studie beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch der hiesigen „legal age drinking population“ 38 l pro Jahr.
 
Das haut nicht ganz hin. In Deutschland gibt es nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes rund 14 Mio. Menschen, die jünger sind als 18 Jahre. Zieht man diese von der Gesamtbevölkerung (82 Mio.) ab, bleiben 68 Mio. Einwohner, die der „legal age drinking population“ angehören. Wenn von diesen jeder 38 l/Jahr trinken würde, käme unterm Strich ein Gesamtmarktvolumen von 25,84 Mio. hl heraus. Tatsächlich bewegt sich das hiesige Gesamtmarktvolumen laut Trinkweinbilanz des Deutschen Weinbauverbandes seit Anfang des neuen Jahrtausends aber zwischen 19,3 Mio. und 20,05 Mio. hl. Das heißt, der Pro-Kopf-Verbrauch der mindestens 18-Jährigen dürfte nur bei maximal 29,5 l liegen und damit über ein Fünftel kleiner sein als von den IWSR-Experten angenommen.
 
+ Laut Studie ist der Wein- und Schaumweinkonsum in Deutschland zwischen 2005 und 2009 um 1,8% geschrumpft.
 
Demgegenüber dokumentiert die Trinkweinbilanz, dass der Gesamtmarkt zwischen 2004/05 und 2008/09 um 1,3% auf 19,51 Mio. hl gestiegen ist. Langfristig betrachtet zeigt sich, dass der Markt aber weitestgehend gesättigt ist. Denn bereits 2001/02 lag das Marktvolumen bei 20,04 Mio. hl, 2007/08 (also vor der Finanz- und Wirtschaftskrise) waren es sogar 20,05 Mio. hl.
 
+ Laut Studie hatten deutsche Weine 2009 am hiesigen Gesamtmarkt einen Marktanteil von 51%.
 
Laut Trinkweinbilanz lag der Anteil deutscher Weine 2008/2009 an den Stillweinen aber nur bei rund 43,5%. Nimmt man die Schaumweine hinzu, die ja zum Großteil aus ausländischen Grundweinen hergestellt werden, reduziert sich der Anteil der heimischen Stillweine auf etwa 36%.
 
+ Laut Studie ist die Markttorte der ausländischen Weine von 2005 auf 2009 um knapp 8% gesunken.
 
Laut Trinkweinbilanz ist der Pro-Kopf-Verbrauch ausländischer Weine dagegen gestiegen: von 11,3 auf 11,4, zuletzt sogar auf 11,6 l.
 
+ Laut Studie haben die wichtigsten Lieferländer des deutschen Weinmarktes von 2005 bis 2009 alle Federn lassen müssen – bis auf Südafrika. Spanien, Österreich oder den USA attestiert die Studie sogar herbe zweistellige Einbußen. Die größten Verluste (fast 31%) bescheinigt sie Weinen aus Chile.
 
Die Importstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt ein anderes Bild. Vergleicht man die Daten aus 2005 mit denen aus 2009, dann erzielten auch Weine aus Italien (+16%), Spanien (+8%), Portugal (+11%) oder Österreich (+31%!) satte Zuwächse. Die Einfuhrmenge aus Frankreich und den USA war annähernd gleich groß. Chile büßte nur 10% (keine 30%) ein und war auch nicht der große Verlierer. Die meisten Federn mussten vielmehr Länder aus Osteuropa wie Rumänien oder Bulgarien lassen; letztere verloren in den zurückliegenden Jahren über 90% ihres einstigen Volumens.
 
Werner Engelhard
 
 

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