Inventurverluste, Warenschwund –
zu diesem Thema liegen neue Erkenntnisse vor. Im deutschen Einzelhandel
sollen im Zwölfmonatszeitraum von Juli 2010 bis Juni 2011 Kosten von 5,4 Mrd.
Euro verursacht worden sein. Zu diesem Ergebnis kommt der Centre for Retail
Research, Nottingham. Mit methodischer Unterstützung durch Checkpoint
Systems, Heppenheim, einem Anbieter für Warensicherungssystemen, kommt dieses
Forschungsinstitut zur Schlussfolgerung, dass der Schwund eine
Größenordnung von
1,20% des Umsatzes angenommen hat. Der Zuwachs zum
Vorjahr, in dem die (Vergleichs-)Kennzahl 1,12% betragen haben soll, beziffert das
Centre for Retail Research auf +7,1%. Damit soll nicht nur ein prozentualer
Rekordanstieg, sondern für Deutschland auch das höchste Niveau des
Warenschwunds der vergangenen Jahre erreicht worden sein.
Die Studie wurde für 43 Länder
durchgeführt. 1.187 Unternehmen haben „brauchbare Reakionen“ eingesendet. Der
gemeinsame Umsatz der beteiligten Unternehmen belief sich auf 984 Mrd.
US-Dollar. Deutschland nimmt darin einen guten 7. Platz am unteren Rand der
Tabelle ein. Die niedrigsten Quoten hatten Taiwan (0.91%) und Hongkong (0,95%).
Indien (2,38%) und Russland (1,74%) weisen in dem Ranking die Höchstwerte auf.
Schlechtere Ergebnisse als Deutschland erzielen die USA (1,59%), Frankreich
(1,40%) oder auch Großbritannien (1,37%). Besser als Deutschland (1,20%)
schneiden Österreich (1,04%) und die Schweiz (1,04%) ab.
Das EHI-Retail Institute, Köln,
kommt in seinen Untersuchungen zum Thema Inventurdifferenz zu einem anderen
Ergebnis. An dieser Studie haben sich 88 Unternehmen mit fast 15.000
Verkaufsstellen beteiligt. Der gemeinsame Umsatz dieser Unternehmen soll
bei 61 Mrd. Euro liegen. Die Inventurdifferenzen beziffert das EHI Retail
Institute auf 3,7 Mrd. Euro. Interessant ist aber die Einschätzung, dass die
Verlustraten dieser Untersuchung zufolge um 4,8% gegenüber dem Vorjahr gefallen
sein soll. Die Inventurdifferenz soll sich laut EHI – gerechnet in
Nettoeinkaufspreisen in Relation zum Nettoumsatz - von 0,63%
(Vorjahreswert) auf 0,60% verbessert haben. Die Kosten für die
Kunden: „Jeder ehrliche Kunde beteiligt sich mit über 1% des Kaufpreises
an den Schäden durch Diebstahl.“
|
Institut |
Kosten in Umsatzprozente |
Kosten durch Warenschwund |
Vergleichstrend |
|
Centre
For Retail Research/ Checkpoint Systems |
1,20% |
5,4 Mrd. Euro/ 7,303 Mrd. US-Dollar |
+7,1% |
|
EHI Retail Institute, Köln |
0,60% Netto
„über 1% des Kaufpreises“ |
4,9 Mrd. Euro:
(3,7 Mrd. Euro Schwund + 1,2 Mrd. Euro Gegenmaßnahmen)
|
-4,8% |
Beide Untersuchungen sind sich
einig: Auf klauende Kunden soll der Großteil der
Verluste entfallen (EHI: 52%, Centre for Retail Research: 43,2%). Eigene
Mitarbeiter haben demnach den kleineren Teil des Schwunds zu verantworten. Die
Ergebnisse der Studien stehen in der Trendanalyse allerdings
weiterhin unvereinbar gegenüber.